Inzuchtkoeffizient (COI) beim Hund – was der Wert bedeutet
Der Inzuchtkoeffizient sagt, wie wahrscheinlich es ist, dass ein Welpe zwei identische Genkopien von demselben Vorfahren erbt. Er ist eine der wenigen Zahlen in der Zucht, die man vor einer Verpaarung ausrechnen kann — und eine der am häufigsten missverstandenen.
Was der COI tatsächlich misst
COI steht für Coefficient of Inbreeding, auf Deutsch Inzuchtkoeffizient. Er wurde 1922 von Sewall Wright eingeführt und beantwortet genau eine Frage: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Nachkomme an einer beliebigen Stelle im Erbgut zwei Kopien desselben Gens trägt, die beide von ein und demselben Vorfahren stammen?
Taucht ein Ahne auf beiden Seiten des Stammbaums auf — beim Vater und bei der Mutter —, steigt diese Wahrscheinlichkeit. Je näher er steht und je öfter er auftaucht, desto stärker.
Richtwerte: ab wann wird es kritisch?
| COI | Einordnung | Vergleich |
|---|---|---|
| unter 6,25 % | unbedenklich | weniger als eine Vollcousin-Verpaarung |
| 6,25 – 10 % | erhöht | genetische Vielfalt im Blick behalten |
| über 10 % | kritisch | Verpaarung gut abwägen |
Zur Einordnung: Eine Verpaarung von Halbgeschwistern ergibt 12,5 %, von Vollgeschwistern oder Vater × Tochter 25 %. Der Wert 6,25 % entspricht Vollcousins — deshalb ist er in vielen Zuchtordnungen die Schwelle, ab der genauer hingeschaut wird.
Der häufigste Irrtum: die Generationentiefe
Ein COI ohne Angabe der Generationentiefe ist wertlos. Über drei Generationen gerechnet liefert derselbe Hund einen viel niedrigeren Wert als über acht — schlicht weil weniger Ahnen betrachtet werden, in denen sich Wiederholungen zeigen könnten.
Ein COI von 2 % über 3 Generationen kann über 8 Generationen 18 % sein. Wer zwei Werte vergleicht, muss also wissen, über wie viele Generationen sie berechnet wurden. Bei Angaben aus Zuchtbüchern steht das meist dabei; fehlt es, ist die Zahl nicht vergleichbar.
Was der COI nicht kann
- Er ersetzt keine Gentests. Ein niedriger COI schützt nicht vor einer Erbkrankheit, für die beide Elterntiere zufällig Träger sind. Umgekehrt ist ein höherer COI bei getesteten, freien Elterntieren weniger dramatisch, als die Zahl vermuten lässt.
- Er kennt nur, was im Stammbaum steht. Fehlen Ahnen oder sind sie falsch eingetragen, rechnet er munter weiter — mit einem zu niedrigen Ergebnis.
- Er sagt nichts über die Rasse insgesamt. Manche Rassen haben eine so schmale genetische Basis, dass selbst „unverwandte" Hunde gemeinsame Vorfahren haben.
Warum die Datengrundlage über alles entscheidet
Ein COI ist immer nur so gut wie der Stammbaum darunter. In der Praxis scheitert die Berechnung selten an der Mathematik, sondern an drei Dingen:
- Ahnen, die zweimal existieren. Wird derselbe Hund einmal unter seiner Zuchtbuchnummer und einmal unter seiner Chipnummer geführt, erkennt keine Rechnung, dass es ein und derselbe ist — und der COI fällt zu niedrig aus.
- Tippfehler in der Zuchtbuchnummer. Ein Zahlendreher erzeugt einen zweiten Hund mit demselben Namen und trennt die Linie.
- Zu flache Stammbäume. Drei Generationen reichen für eine Hausnummer, nicht für eine Entscheidung.
In WhelpLink
WhelpLink rechnet den COI aus einem geteilten Ahnengraphen, in dem jeder Hund über seine Chip- oder Zuchtbuchnummer eindeutig ist — auch über Züchtergrenzen hinweg. Trägt eine Züchterin einen Ahnen ein, steht er auch im Stammbaum aller anderen Hunde, die von ihm abstammen. Die Ahnentafel kannst du dafür einfach abfotografieren.
WhelpLink ladenHäufige Fragen
Welcher COI ist „gut"?
Unter 6,25 % über mindestens fünf Generationen gilt als unbedenklich. Wichtiger als ein einzelner Wert ist die Richtung: Steigt der COI in einer Linie über die Jahre, verengt sich die Basis — auch wenn jeder einzelne Wurf für sich noch im grünen Bereich liegt.
Kann ein COI zu niedrig sein?
Zu niedrig im Sinne von schädlich: nein. Wer aber ausschließlich auf einen möglichst kleinen COI züchtet, verliert unter Umständen genau die Merkmale, die die Rasse ausmachen. Der Wert ist ein Warnlicht, kein Zuchtziel.
Muss ich den COI angeben?
Vorgeschrieben ist er in Deutschland nicht allgemein, einzelne Zuchtverbände verlangen ihn aber. Unabhängig davon fragen ihn immer mehr Welpeninteressenten von sich aus nach.